RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#31 von Tony L , 19.02.2011 20:10

Hallo

Vielleicht mal die Meinung von jemandem, der etwas in der Materie drin steckt . Den Anfang mach ich mal mit den MGTK.

Allgemein die Flexity-Classic Serie von Bombardier würde ich als das zur Zeit non plus ultra im Straßenbahnbau bezeichnen. Drehgestelle, moderne Technik, gute Raumnutzung und ein hoher Niederfluranteil. Dazu die sehr gute Verarbeitung und eine sehr hohe Verfügbarkeit. Leider sind die meisten Verkehrsbetriebe auf 100% Niederflur aus, was die Konstruktion leider nicht hergibt, aber das ist ein Problem der Drehgestellwagen.

Der Leoliner ist ja erstmal eine Entwicklung der LVB, wer Lust und Laune hat, kann sich ja mal die Geschichte dazu anschauen. Die Fahrzeuge nach außen hin zu vermarkten kam im Laufe der Entwicklung. Mit viel Glück hat an sich mit dem Leoliner bei der HVG beworben und gewonnen. Leos besitzen übrigens keine Tatradrehgestelle, sonder Drehgestelle, die in ihrer Konstruktion den Drehgestellen ähnlich sind, allerdings auch nicht den originalen, sondern denen mit Meggi-Federung.
Aber die Entwicklung steht nicht still. Die ersten Serienfahrzeuge hatten noch ziemliche macken, das wurde nach und nach abgestellt. Die Konstruktion bleibt auf Kundenwunsch (Bestellung Leoliner) weitgehend gleich. In der jetzigen Lieferung der Wagen hat sich einiges getan, die Vibrationen der Fahrzeuge sind weitgehend abgestellt, eine neue Belüftungsanlage installiert. Die HeiterBlick GmbH bietet weiterhin bei Ausschreibungen mit, das neueste Produkt entstammt dem Konzept VAMOS und ist ein Stadtbahnwagen für Bielefeld. Die Fahrzeuge befinden sich in Produktion.
Mit de VAMOS-Konzept liesen sich sicher auch Fahrzeuge passend ür die HAVAG schneidern, nur wird die HAVAG mit ihrer Ausschreibung direkt auf den MGTK gezielt haben.
Im übrigen lauft der heutige Straßenbahnkauf nicht mehr danach, "den will ich haben!", sondern über Ausschreibungen, auf die sich Hersteller bewerben müssen, für alles ndere gibts keine Fördermittel.

Von den Leos sind nur 1301/1302 und 1307 abgestellt. 1307 erlitt einen Achsschaden(Achsbruch), der beim Einrücken entdeckt wurde. Es hieß nirgends, dass der Wagen den ganzen Tag mit gebrochener Achse durch die Kante fuhr. Aber das steht doch mal für Qualität, dass es keine Probleme weiter gab, bis es entdeckt wurde . Daraufhin wurden alle Wagen geschallt und weitere Schäden entdeckt. Was nun der Auslöser war weiß ich nicht, es wurde aber zumindest irgendwo genannt, dass es sich um einen Fehler in der Produktion der Achsen/Räder handelt (Zulieferer). 1323 war noch bis letzte Woche abgestellt, der ist aber inzwischen nach Reparatur wieder in den Einsatz gelangt, was mit 1307 wird weiß ich nicht, allerdings schließe ich hier eine Wiederinbetriebnahme nicht aus. 1301 und 1302 wurden Antriebstechnisch an die Serie angepasst, allerdings nach kurzer Zeit wieder abgestellt, man munkelte, es sei der selbe Grund wie bei 1323 (Achsschaden), aber nichts genaues weiß man nicht.

Grüße aus Leipzig
Tony

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#32 von Sven Götze , 21.02.2011 08:28

Auch wenn es keine Original-Tatradrehgestelle sind, sondern nur ein Nachbau mit den (zumindest optisch) gleichen Abmaßen, lässt sich für mich die Frage stellen, wie das Projekt, was eigentlich als Weiterentwicklung von T4D unter Nutzung derer Teile konzipiert war, dass es in einen Neubau gipfeln konnte.

Unter [url]http://www.leipziger-nahverkehr.de/index.html?buttons5.html?top_fahrzeuge.html?http://www.leipziger-nahverkehr...._ngtw6.html[/url] kann man sich auch ein paar Fotos ansehen.

Schließlich gehe ich davon aus, dass das Konzept auf den alten Tatradaten (und u.U. neue Erkenntnisse durch die COMBINOs) beruht und somit - auch wenn überarbeiteter Oberfläche - grob gesagt niederflurige Tatras durch Leipzig fahren. In diesem Zusammenhang sollte doch darüber nachgedacht werden, ob Lebenszeiten der Fahrzeuge von ca. 30 Jahren auch im Hinblick auf die Ersatzteilversorgung gewährleistet ist.

Wären die Probleme der jüngsten Zeit (z.B. Achsbrüche) ein reines Produktionsproblem, könnten die Auswirkungen große Probleme bei allen Leos darstellen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Achsen pro Fahrzeug, sondern wohl eher je Los geoordert wurden. Es bleibt also spannend abzuwarten, ob das Problem in der Produktion, der Fertigung der Ersatzteile oder der Konzeption des Fahrzeugtyps liegt.

Die bisherigen Erfahrungswerte über die LEOs gesammelt und die notwendigen Mehrinvestitionen durch einen neuen Fahrzeugtyp (inkl. Lagerplätze, technischer Anschaffungen etc.) additiert kann man doch eigentlich auch nur froh sein, dass die HAVAG im Zuge der Einsparungsforderungen der Stadt nicht solch ein Projekt begonnen hat.

Auch wenn es viele negativen Aspekte aus Fahrgastsicht zum MGT-K gibt muss man immer bedenken, dass sich das Rad der Wirtschaft heute immer um die Kosten dreht. Alles kostengünstigst bauen/beschaffen - da kann das Maß an Sitzkomfort schlussendlich drunter leiden. Aber die Flexity-Serie ist sicher nicht ohne Grund in Europa so erfolgreich.

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#33 von funkenkutsche , 21.02.2011 10:37

Zitat von Tony L
Allgemein die Flexity-Classic Serie von Bombardier würde ich als das zur Zeit non plus ultra im Straßenbahnbau bezeichnen. Drehgestelle, moderne Technik, gute Raumnutzung und ein hoher Niederfluranteil. Dazu die sehr gute Verarbeitung und eine sehr hohe Verfügbarkeit. Leider sind die meisten Verkehrsbetriebe auf 100% Niederflur aus, was die Konstruktion leider nicht hergibt, aber das ist ein Problem der Drehgestellwagen.


Aus rein technischer Sicht ist dem kaum zu widersprechen.

Aus Fahrgastsicht sieht das schon ein klein wenig anders aus. Wer keinen Sitzplatz abbekommen hat und stehen muss, hat im Flexity-Classic arge Probleme, denn: Außerhalb der Einstiegräume ist das Stehen durch die vielen Einbauten die absolute Hölle. Offenbar rechnet niemand mehr mit einer größeren Zahl von Stehplatzfahrgästen.

Für längere Strecken (z. B. Kröllwitz - Bad Dürrenberg, Plan-Gesamtfahrzeit 97 Minuten) sind die Sitze schon arg hart gepolstert, aber das hatten wir ja schon.

Das Ansehen des MGT-K beim Fahrgast ist deshalb durchaus recht gespalten, was auch verständlich ist. ÖPNV ist eine Dienstleistung und kein Selbstzweck, was manchmal ein wenig bin Vergessenheit gerät.

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#34 von Sven Götze , 22.02.2011 12:23

Zitat von funkenkutsche
Aus Fahrgastsicht sieht das schon ein klein wenig anders aus. Wer keinen Sitzplatz abbekommen hat und stehen muss, hat im Flexity-Classic arge Probleme, denn: Außerhalb der Einstiegräume ist das Stehen durch die vielen Einbauten die absolute Hölle. Offenbar rechnet niemand mehr mit einer größeren Zahl von Stehplatzfahrgästen.

Für längere Strecken (z. B. Kröllwitz - Bad Dürrenberg, Plan-Gesamtfahrzeit 97 Minuten) sind die Sitze schon arg hart gepolstert, aber das hatten wir ja schon.


Ein wenig vom Thema abschweifend: Scheinbar rechnet wirklich niemand damit, dass ein Fahrgast so lang in einem Fahrzeug unterwegs ist. Oder wie erklärt sich, dass das 2-Zonen-Ticket nur 90 Minuten gilt, statt der benötigten 97

Zitat von funkenkutsche
ÖPNV ist eine Dienstleistung und kein Selbstzweck, was manchmal ein wenig bin Vergessenheit gerät.


Mit diesem völlig richtigen Zitat sollten wir das Thema beenden, glaub ich

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#35 von HGlanert , 22.02.2011 20:48

Danke Tony für den aktuellen Überblick aus Leipzig.
Da ich seit geraumer Zeit nicht mehr in Leipzig wohne, kann ich mangels Gelegenheit einer Mitfahrt zu den Fahreigenschaften des neuen Bauloses der Leoliner keine Aussage treffen. Es ist aber schön zu hören bzw. zu lesen, dass Mängel erkannt und behoben wurden. Warten wir am Besten die nächste Zeit ab, um die Qualität dieses Bauloses bewerten zu können.

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#36 von Tony L , 23.02.2011 20:50

Hallo

Immer doch.
Von der Grundsubtsanz sind die Leos eigentlich ganz gut, die halten schon was ab. Mit den dann anstehenden HU´s (auch nicht mehr lang, ab 2012 könnte es losgehen!) werden wohl auch die Wagen ab 1303 ausgebessert.
Was nun die Konstruktion angeht, es ist eben der Aufbau auf bewährten Komponenten, was hier in dem Fall die Meggidrehgestelle sind. Wobei hier die Vibrationen schon voherzusehen waren, gibt es das Problem auch bei manchen T4D-M und damals auch bei den T6.

Der MGTK ist für Halle schon ein gutes Fahrzeug, grade da auch von einem Großhersteller. Die Leos sind in Leipzig ja auch mehr für den Eigenbedarf gewesen.

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#37 von HSF-Archivar , 24.02.2011 21:02

Zitat von zwerg
Mit diesem völlig richtigen Zitat sollten wir das Thema beenden, glaub ich



Richtig!

Dieses Thema sollte schnellsten beendet werden.
Es wird mit den letzten Beiträgen, z.B. betr. die Leoliner, total zerredet.

Die Ausschreibung durch die Havag ist erfolgt, der Produktionsauftrag erteilt, die Fahrzeuge befinden sich in der Fertigung. Das Thema ist also eschöpfend abgehandel, weitere Erörterungen dazu sind also überflüssig.

Wer über Vor- und/oder Nachteile anderer Typen in anderen Vekehrsbetrieben debattieren möchte, sollte ein neues Thema eröffnen.

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#38 von Raik , 27.02.2011 00:09

Oha? Die Fahrzeuge sind in der Fertigung? Ist ja interessant, wo denn? Fangen die schon ohne Pflichtenheft an? Diese Spekulanten hier... die Karre wird rosarot mit Holzsitzen, Gitterrosten als Fußboden, eben Kärcherfreundlich....

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#39 von Sven Götze , 28.02.2011 12:04

Zitat von Raik
Oha? Die Fahrzeuge sind in der Fertigung? Ist ja interessant, wo denn? Fangen die schon ohne Pflichtenheft an? Diese Spekulanten hier... die Karre wird rosarot mit Holzsitzen, Gitterrosten als Fußboden, eben Kärcherfreundlich....



Ja, um abzuschweifen... Aber du hast vergessen, dass sie 3m länger werden und keine Kupplungen oder Drehgestelle bekommen :p

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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#40 von Bernd das Brot , 28.02.2011 18:21

Zitat von Raik
Oha? Die Fahrzeuge sind in der Fertigung? Ist ja interessant, wo denn? Fangen die schon ohne Pflichtenheft an? Diese Spekulanten hier... die Karre wird rosarot mit Holzsitzen, Gitterrosten als Fußboden, eben Kärcherfreundlich....



Hallo,

es ist ja eine gängige Praxis, das jeder "Hinz und Kunz" in Foren sein Halbwissen, "ich habe gehört, das ..." oder "Nachbar hat erzählt, das er jemanden getroffen hat ..." als die Wahrheit darstellt.
Ich wundere mich da nicht mehr, sondern nehme sowas nur noch lächelnd zur Kenntnis. Man wird es nicht ändern können.

Aber interessant zu wissen, das vermutlch nicht Havag-Mitarbeiter mehr wissen, als mit dem Projekt betraute.

Aber nochmal zurück zum Thema:

Was steht in einem Pflichten-/Lastenheft denn drin? Ich hatte immer vermutet, das sowas schon im Vorfeld den Interessenten bekannt ist? Fahrzeugmaße, Geschwindigkeiten, Leistungen, Kuppelfähigkeit, Stromspannung und andere "Eckdaten" sicherlich. Wie ist das mit der Innenausstattung? Wird die erst danach festgelegt?

 
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RE: Havag bereitet Ausschreibung für neue Straßenbahnen vor

#41 von Raik , 04.03.2011 20:08

Lastenheft ist eine Beschreibung des Fahrzeugs, wie man sich es wünscht, daraufhin erfolgen die Angebote, im Pflichtenheft wird dann festgelegt, was tatsächlich geliefert wird. So einfach oder schwierig ist das!....

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