Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#1 von FTB , 11.12.2013 10:47

Bei der Archivarbeit gestern bin ich auf ein interessantes Dokument gestoßen.

Rat des Bezirkes Halle Halle, 3.September 1970

Entwurf
Geschlossene Grundkonzeption für den weiteren Aufbau von Halle-Neustadt als Chemiearbeiterstadt

...
Auf S. 14 steht dieser interessante Satz:
"- zusätzlich zum Gelenkbus die Einführung einer Schnellstraßenbahn zwischen Halle-Neustadt und Halle im Mittelstreifen der Magistrale mit Anschluß an das Straßenbahn-Netz der Stadt Halle in Ausbaustufen."
...

Das ist der einzige relevante Satz zur Straßenbahn.
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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#2 von funkenkutsche , 20.12.2013 11:18

Damals wie heute wurde von Politikern viel Papier zu diesem (und anderen) Themen beschrieben. Vor 1990 scheiterten alle Straßenbahnversuche für Halle-Neustadt immer wieder an dem Überwerfungsbauwerk zwischen Rennbahnkreuz und Hyzinthenstraße (heutige Haltestellennamen). Beim Brückenbau jedweder Art war der Mangel nun mal besonders groß.

Ich bin mir sicher, dass in den Archiven noch so manch anderes Dokument schmort, in dem Aussagen zum Thema "Straßenbahn Halle-Neustadt" enthalten sind.

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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#3 von HSF-Archivar , 21.12.2013 18:20

Die Planungen waren schon 1963 sehr konkret, wie die beigefügte Skizze zeigt.

Viel Spaß bei der Analyse!


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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#4 von matze , 21.12.2013 20:13

Ich sehe/finde leider keine Skizze.


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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#5 von FTB , 22.12.2013 05:32

Da war gar nichts konkret. Durfte es ja auch nicht sein, weil die Genossen damals Richard Paulick verboten hatten, mit Straßenbahn zu planen. Dass Paulick die Genossen mit der Anlage des breiten Mittelstreifens ausgetrickst hat, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn die Skizze gemeint ist, die vor ein paar Jahren schon mal hier im Forum zu sehen war, dass war bestenfalls mal laut gedacht. Richtige Planungen (und damit meine ich mehr als nebulös gewünschte Linien, die irgendjemand mal in eine Skizze gefasst hatte) gab es nicht. Konkret heißt im Schienenbereich eben auch millimetergenau gezeichnete Pläne von Schienen und Fahrleitungsanlagen. Und die sind nicht vorhanden bzw. wurden nie angefertigt. Im Archiv des Halle-Neustadt-Museums befindet sich darauf auch nicht der kleinste Hinweis.


Geschichtswerkstatt Halle-Neustadt - DAS HALLE-NEUSTADT-MUSEUM
Hemingwaystraße 19 in Halle-Neustadt
geöffnet Di 14 - 17, Zusatzöffnungen am 26. und 29.12.2013 14 - 17

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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#6 von 772er , 23.12.2013 17:15



Hier die Skizze der Linienplanung für 1970- gezeichnet im Jahre 1963. Dieses Dokument existiert als Original im Archiv der Strassenbahnfreunde.Möge es auch sein, dass spätere Planungen dies über den Haufen warfen. Interessant ist, dass in der Damaschkestraße kein Linienverkehr mehr stattfinden sollte, ein Depot an der Rennbahn sowie die "Neubaustrecke" nach Diemitz. Verabschiedet hat man sich damals schon von der Linie nach Reideburg. Desweiteren hätte nach diesen Planungen das Stadion eine direkte Straßenbahnanbindung erhalten. Durch noch lebende Zeitzeugen - die damals bei den Verkehrsbetrieben arbeiteten - sind diese Planungen bestätigt worden.

Mit freundlichen Grüßen

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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#7 von funkenkutsche , 24.12.2013 12:15

Wer schon zu DDR-Zeiten berufstätig war wird wissen, dass (nicht nur im Verkehrswesen) zahllose solche Strichzeichnungen angefertigt wurden. Jeder, der für die Planung zuständig war (oder sich dafür zuständig hielt), brachte auf diese Weise seine Gedanken zum Thema zu Papier. Wohl wissend, dass die Chancen für eine Verwirklichung nicht gerade gut standen.

Auf der Zeichnung ist lediglich dargestellt, wie man sich 1963 bei den VE Verkehrsbetrieben Halle das Liniennetz im Jahre 1970 vorstellte. Das waren reine Wunschvorstellungen, die nicht mit der "Partei" und den zuständigen "Organen" abgestimmt waren. Die hatten bekanntlich von Anfang an (1964) den Kraftomnibus für das zweckmäßigere Verkehrsmittel besonders für Halle-Neustadt erklärt. Die Straßenbahn-Befürworter standen bis zur 2. Ölkrise 1979/80 auf verlorenem Posten. Leider!

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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#8 von 772er , 30.12.2013 19:22

Nach den Ausführungen von "Funkenkutsche" scheinen zu DDR-Zeiten die "Planer, oder die die sich dafür hielten" (eigentlich schon beleidigend) vor Langeweile nicht gewusst zu haben was sie tun sollten. Da dieses "Dokument" jedoch nicht nur auf einer Serviette (wie damals der Doppelstockschienenbus bei Herrn Dürr) vorhanden ist und - um es zu vervielfältigen auf Pergamentbogen als Tuschezeichnung mit Namenszug - erstellt wurde kann man davon ausgehen, dass diese Planungszeichnung irgendwer in Auftrag gegeben hat. Wie außerdem bemerkt wurde ist 1964 dem Bus der Vorzug gegeben worden - diese Zeichnung ist von 1963 !!
Inwieweit dies weiter verfolgt wurde steht auf einem anderen Blatt geschrieben, jedoch werden einige Stunden Arbeit dafür verwendet worden sein.

MfG

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RE: Straßenbahn für Halle-Neustadt 1970

#9 von funkenkutsche , 31.12.2013 13:20

Zitat von 772er
Nach den Ausführungen von "Funkenkutsche" scheinen zu DDR-Zeiten die "Planer, oder die die sich dafür hielten" (eigentlich schon beleidigend) vor Langeweile nicht gewusst zu haben was sie tun sollten. Da dieses "Dokument" jedoch nicht nur auf einer Serviette (wie damals der Doppelstockschienenbus bei Herrn Dürr) vorhanden ist und - um es zu vervielfältigen auf Pergamentbogen als Tuschezeichnung mit Namenszug - erstellt wurde kann man davon ausgehen, dass diese Planungszeichnung irgendwer in Auftrag gegeben hat. Wie außerdem bemerkt wurde ist 1964 dem Bus der Vorzug gegeben worden - diese Zeichnung ist von 1963 !!
Inwieweit dies weiter verfolgt wurde steht auf einem anderen Blatt geschrieben, jedoch werden einige Stunden Arbeit dafür verwendet worden sein.

MfG

772er

Da ich einige Jahre auf dem Gebiet der Planung und Bauüberwachung gearbeitet habe (leider nicht im Fachgebiet Verkehrsplanung), glaube ich die Verhältnisse einigermaßen einschätzen zu können. Mit der heutigen, 1990 aus den alten Bundesländern übernommenen Denk- und Arbeitsweise kommen wir da nicht viel weiter.

Es wurde in der DDR sehr wohl viel für Archive aller Art geplant, ganz gründlich mit Ausziehtusche auf Transparentpapier und mit offizieller Zeichnungsnummer (die ich übrigens auf der VBH-Zeichnung vermisse, nur Monat und Jahr (11.63) und Kurzzeichen des Bearbeiters/der Bearbeiterin). Ganz einfach, weil Geld und Ressourcen knapp waren, wurde vieles nicht verwirklicht. Das war häufig sehr frustrierend, wenn ausführungsreife Projekte mangels "Investitionsmitteln" archiviert werden mussten. Schließlich hatte eine ganze Reihe von Mitarbeitern viel Arbeitszeit investiert.

Nun zu Halle-Neustadt: Es gab keinen Auftrag, einen Straßenbahnanschluss mit zu planen, von Anfang an wurde der Bus bevorzugt. Der breite Mittelstreifen der Magistrale entstand aus Eigeninitiative der Planer selbst, damit ein mögliches Umdenken doch zugunsten der Straßenbahn keinen riesigen Umplanungsaufwand mit sich gebracht hätte. Wir sollten diesen Leuten dankbar sein, dass sie so weitsichtig mitgedacht haben. Die Grundsteinlegung fand bekanntlich 1964 statt, ergo basiert die Zeichnung von 1963 rein auf papiernen Lageplänen zukünftiger Wohngebiete.

Wir sollten uns davor hüten, in eine Zeichnung (die eigentlich nur eine Skizze ist, da sie keine Zeichnungsnummer trägt) aus der Zeit vor dem Baubeginn Dinge hineinzuinterpretieren, die noch gar nicht relevant waren.

Übrigens: Pergamentpapier wurde zu keiner Zeit für Zeichnungen verwendet, das Zeug heißt "Transparentpapier", ist heute noch erhältlich und wird nicht wie Pergament aus Tierhäuten hergestellt.


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