Schaffner auf der Überlandbahn

#1 von DerH6er , 24.08.2009 23:09

Liebes Forum.
Ich hab mal eine Frage bezüglich des Schaffnereinatzes auf der 5 im Überlandabschnitt. Die wurden doch schleichend abgeschafft. Ich führe mal folgende Chronologie aus:
Etwa 1980 (als es noch Zahlboxen gab) fuhr ich mal von Huttenstr. nach Dürrenberg - mit meinen Großeltern. Da stieg am Btf. Ammendorf ein(e) Schaffner(in) pro Wagen zu, blockte die Box und begann zu kassieren.
Paar Jahre später - es gab inzwischen die "Knallkästen" (Stempelentwerter) stieg auch ein Schaffner zu und kassierte, aber er wechselte zwischen allen drei Wagen des Zuges.
Und ich frage mich, ob es wirlich immer Schaffner an Bord gab. Ich bin mal im Sommer 1983 in B.Dü.Kurpark zugestiegen und bis Ammendorf kam kein Schaffner., Ich hab anstandshalber in Ammendorf einen Stadtfahrschein entwertet.
Hat hier der Arbeitskräftemagel in der DDR seine Auswirkungen gezeigt?
Über Antworten von Insidern freue ich mich jetzt schon.

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RE: Schaffner auf der Überlandbahn

#2 von HGlanert , 25.08.2009 00:20

Schaffner gab es im Überlandgebiet (Ammendorf - Bad Dürrenberg) bis zur Tarifumstellung 1991. Es konnte allerdings auf Grund Personalmangels passieren, dass einzelne Wagenzüge ohne Schaffner verkehrten. Ich selbst hatte auch solche Dienste: in Ammendorf in Wagenzug (Ri. Bad Dürrenberg) zusteigen, Fahrgeld kassieren und in Merseburg den Wagenzug verlassen. Anschließend stieg ich in den Wagenzug in die Gegenrichtung (Richtung Ammendorf) zu und kassierte dort das Fahrgeld, da auch auf diesem Wagenzug der Schaffner fehlte.

Nach der Tarifumstellung wurden in einer Übergangszeit die Wagenzüge weitestgehend noch mit Schaffnern besetzt, diese waren jedoch vorwiegend beratend tätig (Tarifsystem, Fahrscheinarten etc.). Da die Fahrgäste im Überlandbahngebiet gewohnt waren, ihren Fahrschein im Wagen zu erwerben, hielten die Schaffner noch ein begrenztes Kontigent an Fahrscheinen zum Verkauf vor.

Meiner Erinnerung nach erfolgte das Ende des Schaffnereinsatzes (1991) schleichend, bis die Schaffner weiterqualifiziert waren, meist als Fahrer.

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RE: Schaffner auf der Überlandbahn

#3 von FTB , 26.08.2009 10:02

Da würde mich auch mal interessieren: Wie hatte man damals die Umstellung auf das "Westgeld" bei den Wechselkassen realisiert? Die D-Mark-Münzen hatten doch eine andere Größe als die Alu-Chips.
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RE: Schaffner auf der Überlandbahn

#4 von HGlanert , 26.08.2009 20:59

Am 1.7.1990 erfolgte die Einführung der D-Mark in der (Noch-)DDR. In einer Übergangszeit waren die kleinen Münzen (1 Pfennig bis 50 Pfennig) der DDR-Währung weiterhin gültiges Zahlungsmittel.

In die Galoppwechsler passten prinzipiell nur die DDR-Münzen, von zwei Ausnahmen abgesehen: die 5- und 10-Pfennig-Münzen. Die 5-Pfennig-Münze West war minimal kleiner als das DDR-Pendant und neigte daher zum "durchrutschen". Die 10-Pfennig-Münze West war minimal größer als die Ostmünze und verhakte sich gerne im Galoppwechlser. Also warf ich das Westgeld unsortiert in die Schaffnertasche. Falls ich nicht ausreichend Münzen im Wechlser hatte, musste ich halt das Wechselgeld aus der Tasche kramen.
Während dieser Übergangszeit* entrichteten die Meisten ihr Fahrgeld aber eh' mit vielen kleinen Ostmünzen, Scheine oder 1- und 2-D-Mark-Stücke schien es so gut wie gar nicht zu geben. Manche Fahrgäste zahlten ihre 20 Pfennig komplett in einzelnen 1-Pfennig-Stücken, die der nächste Fahrgast sofort wieder erhielt, wenn ich diesen Betrag als Wechselgeld herauszugeben hatte. (Diese Summe hielt ich abgezählt in der Uniformtasche bereit.)

*) Zur Erinnerung: Personen zwischen 15 und 59 Jahren durften 4000 Mark 1:1 umtauschen, darüber hinaus gehende Beträge wurden 2:1 umgestellt. Daher wurden vor der Währungsunion die Ost-Pfennig-Münzen rar. Nach der Währungsunion gab es eine Schwemme an diesen Münzen, da jeder versuchte, auch einen noch so kleinen Betrag über die 4000 Mark hinaus 1:1 zu tauschen.

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RE: Schaffner auf der Überlandbahn

#5 von FTB , 02.09.2009 07:37

Danke, genau das hatte mich interessiert.
Da war dann also mehr Geld in der Schaffnertasche als im Wechsler. Naja, wie sollte es auch anders gehen?
Czesc
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RE: Schaffner auf der Überlandbahn

#6 von HGlanert , 02.09.2009 20:38

Zitat von FTB
Da war dann also mehr Geld in der Schaffnertasche als im Wechsler.


So absolut kannst du es nicht formulieren. Wie bereits erläutert, wurde der Fahrpreis i.d.R. mit vielen Ost-Münzen entrichtet. Diese landeten selbstverständlich im Wechsler. Die West-Münzen waren in der Minderheit.

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