Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#1 von truestepper , 05.08.2008 11:41

Da wir hier beim Thema "Alte Streckenverläufe" sind, habe ich an unsere älteren Forenmitglieder noch eine andere Frage.

Für mich gibt es seit vielen Jahren ein schwarzes Loch in der Geschichte, und genau dies sind die Streckenführungen und Gleispläne im Bereich des südwestlichen Riebeckplatzes, genauer gesagt, der Zufahrt aus Richtung Rannischen Platz, der Blockumfahrung für meine heißgeliebten Überlandbahnen sowie der Rest, den es nach 1945 noch in der Franckestraße gab.
Der ursprüngliche Aufbau des Riebeckplatzes ist mir soweit bewusst. Im zweiten Weltkrieg fiel die Strecke über den Franckeplatz. Wieviel ist davon noch übrig geblieben? Eventuell sogar noch zweigleisig? Die Strecke vom Rannischen Platz ist in den späten 60igern, wenn ich das richtig verstanden hab, kurz vor ihrer Einstellung mit einem Linksknick in die List-Straße, welche heute nur noch Fussweg sein dürfte (richtig?) verlegt worden. War das Stück zweigleisig? Erfolgte dann der Verlauf zum Riebeckplatz hin wieder per Rechtknick einfach um diese dann doch wesentlich scharfe Kurve? Und blieb die Anbindung der Blockumfahrung aus Richtung Merseburg bis zur Toller-Straße immer eingleisig oder baute man sie nochmal aus? Zum Beispiel wegen des Riebeckplatz-Umbaus? Wer schematische Gleispläne oder hat (Handskizzen reichen auch), bitte posten.

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#2 von schaffner53 , 05.08.2008 21:32

@ truestepper:

Zu deinen Anfragen ist anzumerken:

1. Die Strecke vom Rannischen Platz zum Riebeckplatz zweigte aus der Lindenstraße (Ph.-Mü.-Str.)
in die Landwehrstraße (Er.-To.-Str.) ab und führte zweigleisig direkt zum Riebeckplatz.

2. Die Verbindungskurve der Überlandbahn führte von der Merseburger Straße eingleisig durch die
Königstraße (Rud.-Br.-Str) zur Landwehrstraße. Ein letztes Gleisstück liegt dort noch hinter dem Hotel MARITIM).

3. Die im September 1939 stillgelegte Strecke Hallmarkt - Riebeckplatz führte durch die Straßen
Hallorenring - Moritzzwinger - An der Waisenhausmauer - Königstraße - Franckestraße.
In etwa war ihre Lage auf der heuteigen Straßenrampe vom Franckeplatz, führte um die
Waisenhausapotheke und Staatsbank herum (wie heute wieder).

4. Die Wendeschleife von der Ernst-Toller-Straße über die Friedrich-List-Straße zur
Franckestraße und zurück zum Riebeckplatz entstand erst in des späten 1950er Jahren.

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#3 von truestepper , 06.08.2008 01:51

Die Punkte 1 bis 3 sind mir noch halbwegs klar. Der Streckenverlauf der damaligen Linien 2 und 4 sowieso. Den Punkt 4 mit der Wendeschleife hab ich allerdings nicht verstanden. Welche Linie soll von wo nach wo dort wie gewendet haben?

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#4 von Uwe67 , 06.08.2008 15:46

Zitat von truestepper
Wer schematische Gleispläne oder hat (Handskizzen reichen auch), bitte posten.



Eine Skizze findest Du in der Chronik von 1991, S.73

Noch vorhandene Gleisreste/Relikte:

- Ernst-Toller-Strasse bis Ecke Philipp-Müller-Strasse, zweigleisig mit Gleiswechsel unter dem Asphalt

- Friedrich-List-Strasse nur Wandhaken

Am Beginn dieser beiden Strassen befinden sich noch Weichenstücken im Pflaster sowie eine eingleisige Verbindungskurve in Richtung Merseburger Strasse (Hinterausgang Maritim Hotel).

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#5 von truestepper , 06.08.2008 16:44

Aber wie war die Gleisführung in der Frankestraße, bevor man die Gleise über die List-Straße verlegte. Oder gab es von 1945 (Stillegung über Franckeplatz) bis zur Verlegung wegen dem Hochhausbau keine Gleise mehr in der Frankestraße?

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#6 von funkenkutsche , 06.08.2008 19:35

In Bodo-Lutz Schmidt, 100 Jahre elektrisch durch Halle, HAVAG 1991 gibt es zwar keinen Gleisplan, aber der Text beantwortet bei der Abhandlung der einzelnen Zeitabschnitte alle Fragen.

Am 12.07.1948 wurde die Schleife Friedrich-List-Straße für die Reideburger Linie 9 eingerichtet. Sie führte vom Riebeckplatz über Franckestraße (Gleistrasse Ri. Franckeplatz) – Friedrich-List-Straße zur Ernst-Toller-Straße, sie wurde in dieser Richtung befahren. In der F.-List-Str. befand sich die Endstelle. Die Stillegung erfolgte infolge des Umbaus des Thälmannplatzes am 15.09.1965. Als Ersatz wurde an der Ernst-Toller-/F.-List-Str. ein provisorisches Gleisdreieck eingerichtet. Auch dies hatte keinen langen Bestand, ab 06.06.1966 wurde die Reideburger Linie 9 über Leipziger Str. – Markt – Mühlweg nach Kröllwitz verlängert. Damit wurde die nach Einstellung der Ringlinien 5 und 17 stillliegende Gleistrasse Mühlweg/Burgstr. wieder im Linienbetrieb befahren. Mit der Stilllegung der Leipziger Str. am 11.08.1967 war auch damit wieder Schluss, die Linie 9 kehrte zum oben erwähnten Gleisdreieck zurück.

Die ganzen Bauprovisorien zu erwähnen, würde den Rahmen eines Forenbeitrags sprengen. Das letzte (und bekannteste) Provisorium ist die zweigleisige Führung Thälmannplatz (neu) – Franckestr. – F.-List-Str. – E.-Toller-Str., das bis zur endgültigen Stillegung am 30.06.1969 Bestand hatte. Zuletzt musste die Reideburger Linie 10 (nach Netzreform vom 01.06.1968) und die Schkopauer E-Wagen eine Schleifenfahrt über Berliner – Freiimfelder Str. nehmen, da auch das Gleisdreieck gekappt worden war. Grund für dieses Hin und Her war der Bau des südlichen Punkthochhauses und des Plattenbaus auf der Südseite der Franckestraße. Die damalige SED-Bezirksleitung meinte, die Gleistrasse von der E.-Toller-Str. zum Thälmannplatz sei entbehrlich, da die altmodische Straßenbahn ohnehin bald durch Busse abgelöst werde. So wurden einfach durch den Bau der genannten Häuser Tatsachen geschaffen und die VE Verkehrsbetriebe guckten in die Röhre. Eine solche Denkweise war in der DDR der End-60-er Jahre nicht außergewöhnlich (siehe z. B. Berlin Alexanderplatz) und damit nicht nur in der Alt-BRD.

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#7 von truestepper , 07.08.2008 01:39

Erstmal großes Dankeschön. Du bringst langsam Licht ins Dunkel. Als die Schleife gesperrt wurde und das erste provisorische Gleisdreieck gebaut wurde, dann wurde dies von der Toller-Straße oder von der Franckestraße aus gebaut? Ich ahne, dass die Franckestraße als erstes neugestaltet wurde und man vom Riebeckplatz zu diesem Dreieck gelangte. Dann kam die Idee mit den Hochhäusern und die Strecke wurde zweigleisig durch die List-Straße verlegt?? Wurde zu dieser Zeit dann das Gleisdreieck von der Franckestraße aus befahren, so dass dann auf einem Gleisstummel, der zum Riebeckplatz gezeigt haben muss, nur noch umgesetzt werden konnte?
Ich versuch mir das gerade krampfhaft geistig vorzustellen, da ich auch nur noch die Gleisreste kenne.
Dann müsste das ganze am Riebeckplatz damals zwischen 1948 und 1965 doch wie eine mehrfache Schleife ausgesehen haben. Über die Breitscheidstraße und Tollerstraße kamen die ÜB-Züge, welche am Riebeckplatz in die Merseburger Straße wendeten und die 9 drehte ihre Schleife über Franckestraße, List-Straße und Toller-Straße. Genau solche Dinge gehen aus der Fibel nämlich nicht eindeutig hervor.

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#8 von funkenkutsche , 08.08.2008 10:57

Zitat von truestepper
Erstmal großes Dankeschön. Du bringst langsam Licht ins Dunkel. Als die Schleife gesperrt wurde und das erste provisorische Gleisdreieck gebaut wurde, dann wurde dies von der Toller-Straße oder von der Franckestraße aus gebaut?


Von der Ernst-Toller-Straße. Ging auch nicht anders, da die Franckestraße zuerst gesperrt wurde.

Zitat von truestpper
Ich ahne, dass die Franckestraße als erstes neugestaltet wurde und man vom Riebeckplatz zu diesem Dreieck gelangte.


Richtig, aber noch über die E.-Toller-Str.

Zitat von truestepper
Dann kam die Idee mit den Hochhäusern und die Strecke wurde zweigleisig durch die List-Straße verlegt?? Wurde zu dieser Zeit dann das Gleisdreieck von der Franckestraße aus befahren, so dass dann auf einem Gleisstummel, der zum Riebeckplatz gezeigt haben muss, nur noch umgesetzt werden konnte?


Genau so war es!

Zitat von truestepper
Ich versuch mir das gerade krampfhaft geistig vorzustellen, da ich auch nur noch die Gleisreste kenne.
Dann müsste das ganze am Riebeckplatz damals zwischen 1948 und 1965 doch wie eine mehrfache Schleife ausgesehen haben. Über die Breitscheidstraße und Tollerstraße kamen die ÜB-Züge, welche am Riebeckplatz in die Merseburger Straße wendeten und die 9 drehte ihre Schleife über Franckestraße, List-Straße und Toller-Straße. Genau solche Dinge gehen aus der Fibel nämlich nicht eindeutig hervor.


Die "Fibel" ist auch nicht für "Hardcore-Fans" geschrieben worden.
Der Mittelstreifen der neuen Franckestraße war ja ursprünglich für die Ersatzstrecke zum Franckeplatz vorgesehen, auf die wir dann knapp 40 Jahre warten mussten!? Nach dem diese Ende der 60er nicht gebaut wurde, wurden dort dann die hässlichen Stützen der Fußgängerbrücke in Benzolring-Form hingeklotzt, damit ja niemand mehr auf die Idee kam, dort Gleise verlegen zu wollen.

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RE: Riebeckplatz 1945 bis 1970, Toller-Straße, List-Straße

#9 von truestepper , 09.08.2008 01:51

Allgemein ist es immer wieder interessant, wenn man durch die Städte reist und diverse grüne Mittelstreifen sieht. Selbst hier in Dresden gibt es davon eine Menge.

Also ich bin kein Hardcore-Fan, aber das war halt ein Teil des halleschen Streckennetzes, dessen Veränderungen ich nie richtig nachvollziehen konnte.

(Gleisplan- und Liniennetzfanatiker würde vielleicht passen )

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#10 von FrankB , 11.08.2008 19:23

Zitat von truestepper

Also ich bin kein Hardcore-Fan, aber das war halt ein Teil des halleschen Streckennetzes, dessen Veränderungen ich nie richtig nachvollziehen konnte.



Naja, das war ja hier schon zu lesen - die Parteiherrlichkeit schwamm Mitte der 60er auf der Ölwelle, die von den Russen rübergeschwappt wurde. (Die Partei, die Partei, die hat immmer recht... )

Bei der DR war es dasselbe: 1965 wurden sämtliche Elektrifizierungsvorhaben gestoppt, nur noch begonnene fertiggestellt.
Kupfer war eh immer knapp.

Merke: E-Traktion erfordert immens hohe Investitionskosten, dafür ist der laufende Unterhalt günstiger.
Dieselfahrzeuge beschaffen ist vordergründig billiger, die Infrastruktur ist ja schon da.

Später hatten sie es begriffen, aber da war der Zug schon abgefahren...



Gruß

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#11 von DerH6er , 12.08.2008 22:32

truestepper schrieb:"Allgemein ist es immer wieder interessant, wenn man durch die Städte reist und diverse grüne Mittelstreifen sieht. Selbst hier in Dresden gibt es davon eine Menge."
Aber wo in DD (ich weiß - das ist eigentlich ein Forum für Halle) sollen noch Strab auf die grünen Mittelstreifen? Budapester Straße ist in Planung, Teplitzer Str. brauchts nicht (parallel 9, 11, 13) "Zelle" wäre dringend nötig (angesichts der gut vollen 61 - aber da wünsch ich mir den Obus zurück) aber der Mittelstreifen ist recht schmal, Hansastr. hat kein richtiges Einzugsgebiet, Winterbergstr. tuts die 89.
Ich finde, die Erschließung ist schon recht passabel, wie gesagt, es wär mal Zeit, an die Renaissance des Obus zu denken - aber das ist ein anderes Thema.

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#12 von truestepper , 13.08.2008 00:05

Ich hab nicht gemeint, dass der Bedarf heute noch an diesen Stellen vorhanden ist, sondern nur, dass es damals wohl entsprechende Vorplanungen und Trassenfreihaltungen gab. Und der Zellesche Weg ist immer noch ein klassisches Beispiel für die Straßenbahn. Aber mittlerweile ist man ja mit den Planungen für die Wiedereinführung der Linie 5 beschäftigt.

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#13 von Paul+Paula , 08.04.2009 20:21

Hi,

als ich gestern mit dem Auto am Riebeckplatz bzw. ComCenter um die Ecke kam, musste ich verdutzt feststellen, dass der Straßenabschnitt der Phillip-Müller Straße von der Turmstraße bis vermutlich Kreuzung Thomasisstraße gesperrt war. Fleißige Straßenbauer waren dabei den alten Straßenbelag bis zum darunterliegendem Kopfsteinpflaster abzufräsen.
Dabei kamen vermutlich auch Schienen zum Vorschein. Jedenfalls sah es im vorbeifahren danach aus. Kann das sein?

Bereits 3 Stunden später - wo ich nochmal genau hinschauen wollte - war eine neue Asphaltschicht aufgetragen worden und nix mehr vom Kopfsteinpflaster zu sehen. Muss man wohl mindestens wieder 30 Jahre warten, ehe dort neu asphaltiert wird.

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#14 von Hajo , 10.04.2009 15:41

Hallo, ein Frohes Osterfest wünsche ich allen Usern und Moderatoren.
Heut war ich mal in der Ernst-Toller-Straße zwischen Friedrich List-Straße und Rudölf-Breitscheid-Straße und habe die bewußten Gleisrelikte aufgenommen.
Bild 1 :Standort Höhe Friedrich-List-Straße mit Blickrichtung in die Ernst-Toller-Straße ; Gleiseinschwenkung von der Franckestraße:
Bild 2 . Kreuzung Ernst-Toller-Straße mit Rudolf-Breitscheid mit 1-gleisiger Einschwenkung der Überlandbahn aus Merseburg

Bild 3: Überlandbahneinschwenkung aus südlicher Sicht

Bild 4 : Standort Mitte Kreuzung E.-Toller-Straße/Breitscheid-Straße mit Gleiseinschwenkung

Bild 5: Gleisrest der 2-gleisigen Strecke in der E.-Toller-Straße nach der Kreuzung R.-Breitscheid-Straße Richtung Philipp-Müller-Straße

Weitere Kommentare erübrigen sich, da bereits in den Beiträgen 2-4 erläutert.
MfG

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#15 von Frank Horst , 10.04.2009 21:27

Zitat von Hajo

Weitere Kommentare überlasse ich Euch.
MfG



Würde mich als Nicht-Hallenser sehr freuen.

MfG Frank

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